Das selbstgesteuertes Lernen / Methodentraining

Die internationalen Schulleistungsuntersuchen haben deutlich gemacht, dass vor allen Dingen eine Veränderung des Unterrichts erforderlich ist, damit Kinder und Jugendliche den Anforderungen der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts gerecht werden können. Die Verbesserung der Unterrichtsqualität zielt im Kern auf einen Wandel von der Stofforientierung zur Entwicklung von Kompetenzen, die lebenslanges Lernen sichern und Anpassung an zukünftige Herausforderung ermöglichen. Der Kerngedanke einer Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität wird in der Kurzformel „Vom Lehren zum Lernen und von den Stoffen zu Kompetenzen“ auf den Punkt gebracht. Als Rahmen für die Entwicklung von Kompetenzen werden sechs fundamentale fachliche und überfachliche Bildungsziele, die auf dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule basieren beschrieben:

  • Erwerb intelligenten Wissens, d. h. nicht reinen Faktenwissens sondern eines gut organisierten, fachlich und überfachlich sowie lebenspraktisch vernetzten Systems von Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnissen und metakognitiven Kompetenzen
  • Erwerb anwendungsfähigen Wissens, d.h. die Kompetenz, dass Wissen in unterschiedlichen, möglichst auch fächerübergreifenden Anwendungssituationen zu nutzen
  • Erwerb variabel nutzbarer Schlüsselqualifikationen, d.h. die Fähigkeit, Kenntnisse und eigene Kompetenzen in möglichst vielen Situationen anwenden zu können, z. B. Lese- und Medienkompetenz
  • Erwerb des „Lernen Lernens“ (Lernkompetenz), d.h. für jedes einzelne Fach erfolgreiche Lernwege und Strategien zu erfassen und bewusst zu machen. Schülerinnen und Schüler sollen Expertise für das eigene Lernen gewinnen.
  • Erwerb sozialer Kompetenzen, d. h. das Erlernen sozialen Verstehens, sozialer Geschicklichkeit, Verantwortung und der Fähigkeit zur Konfliktlösung
  • Erwerb von Wertorientierungen, d.h. der Aufbau einer Schulkultur, die durch soziale, demokratische und persönliche Werte gestaltet werden kann.

Bei der Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität steht der individuelle Kompetenzaufbau sowohl der fachlichen als auch der überfachlichen Kompetenzen im Mittelpunkt. Zentrales Anliegen ist dabei, die Schülerinnen und Schüler zum selbstständigen und eigenverantwortlichen Lernen zu befähigen. Lernkompetenz als Baustein für die Gestaltung lebenslangen Lernens wird zum Schlüsselbegriff von Unterrichtsqualität. Fachliches und überfachliches Lehren und Lernen müssen darauf ausgerichtet sein, aufeinander bezogen und miteinander verknüpft werden, damit die Entwicklung einer vernetzten Erschließung von Wissen, Kenntnissen und Fertigkeiten gelingt.
Bestandteile des Programms
Damit Schülerinnen und Schüler Aufgaben und Problemstellungen zunehmend eigenverantwortlich bearbeiten können, müssen sie in einem aufeinander aufbauenden und zwischen den Beteiligten abgestimmten Lernprozess ihr Repertoire an Lernstrategien erweitern und ihre Lernkompetenzen entwickeln. Das setzt voraus, dass Lehrkräfte ihrerseits ihr Repertoire an Lernstrategien erweitern, um Unterricht methodisch vielfältig anzulegen und eigenverantwortliches Lernen zu ermöglichen. Deshalb durchlaufen Lehrkräfte, die am Qualifizierungsprogramm teilnehmen, die Basistrainings in gleicher Weise wie sie diese Module anschließend in den Schulen mit den Schülerinnen und Schülern umsetzen. Durch das eigene Tun sollen so die Handlungsroutinen der Lehrkräfte thematisiert und Teamarbeit, schulische Kommunikationsprozesse und eigenverantwortliches Lernen gefördert werden.
Trainingsspirale und Lernspirale im Fachunterricht
Durch die Wahl der Begriffe „Trainingsspirale“ und „Lernspirale im Fachunterricht“ wird deutlich, dass das Programm von einem kumulativen Aufbau von Lernkompetenzen ausgeht. Die Schülerinnen und Schüler durchlaufen unterschiedliche, sich ergänzende Übungen bzw. Arbeitsphasen, die ihnen Gelegenheit geben, ihr Repertoire an Lernstrategien sukzessive zu erweitern.  Das Basistraining erfolgt in „Trainingsspiralen“. Schülerinnen und Schüler erweitern in den Trainingsspiralen ihre Lernkompetenzen und ihr Repertoire an Strategien und Instrumenten zur eigenverantwortlichen Gestaltung individueller Lernprozesse. Die Trainingsspiralen korrespondieren mit den „Lernspiralen im Fachunterricht“. In der fachdidaktischen Transformation nutzen die Lehrkräfte die von den Schülerinnen und Schülern erworbenen Lernkompetenzen zur Gestaltung eines zunehmend eigenverantwortlichen Lernens im Fachunterricht. Die Trainingsspiralen bilden somit die Grundlage für eine Weiterentwicklung des Fachunterrichts und eröffnen den Lehrkräften eine Ausweitung der methodisch-didaktischen Gestaltung des Fachunterrichts. Diese Entwicklung setzt allerdings voraus, dass in der Schule ein aufeinander abgestimmtes Konzept zur Verbesserung der Unterrichtsqualität entwickelt wird, das systematisch aufeinander aufgebaut und zwischen den Beteiligten abgestimmt ist. Nur wenn es gelingt, das Gelernte im Fachunterricht anzuwenden, zu pflegen und Routinen zu entwickeln, können Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Lernwege finden und ihre Lernprozess nachhaltig und erfolgreich gestalten.
Bausteine des Konzepts
Durch intensives Training erfolgt eine Erweiterung der Lernkompetenzen an möglichst handlungsorientierten exemplarischen Inhalten, die immer wieder reflektiert und auf weitere Unterrichtsprozesse ausgeweitet werden. Im Mittelpunkt stehen vier Bausteine:
die drei Basisbausteine

Lern- und Arbeitstechniken
– Instrumente zur Informationsbeschaffung , -erfassung, -verarbeitung, -aufbereitung und deren Präsentation
– Strategien der Arbeits-, Zeit- und Lernplanung
– Verfahren zur Reflexion und Bewertung des eigenen Handelns 
Kommunikation 

– funktionale kommunikative Kompetenzen mit ihren nonverbalen, paraverbalen und verbalen ElementenKommunikationstechniken u. a. zum aktiven Zuhören, in der Diskussionsführung, dem konstruktiven Miteinander-Reden und der freien Vortragsgestaltung 
Teamentwicklung
– der Erwerb von Teamkompetenzen und elementare Kooperationstechniken und –strategien
Die grundlegenden sozialen Trainingsschwerpunkte . (z.B. gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung) sind integrierter Bestandteil der drei Basisbausteine. Der Anwendungsbaustein „Eigenverantwortliches und Selbstgesteuertes Lernen“gewährleistet die Verbindung zum Fachunterricht. Die prozessbezogenen Kompetenzen werden im Sinne der Vorgaben der Kerncurricula weiterentwickelt. Eine zentrale Bedeutung hat dabei die Aufgabenstellung. Die Aufgaben werden schrittweise komplexer und auf allen Ebenen der Bloomschen Taxonomie (Kenntnis, Verstehen, Anwendung, Analyse, Synthese, Bewertung) im Fachunterricht angeboten.

Seit dem Schuljahr 205/16 stellt sich das Programm wie folgt dar: